Anamnese

Der Begriff Anamnese stammt aus dem Griechischen ana = »zurück zu« und mnesis = »Erinnerung, Gedächtnis«. Er beschreibt das umfassende Gespräch mit vertiefenden Fragen des Homöopathen zur Vorgeschichte und den Beschwerden der Krankheit des Patienten. 
Erstanamnese in der Homöopathie
Auf die homöopathische Fallaufnahme, folgt die Anamnese. Besonders im chronischen Krankheitsfall versucht der homöopathische Arzt oder Praktiker in der Erstanamnese, die Konstitution des Patienten zu verstehen. Um für den Patienten und seine Beschwerden das richtige Arzneimittel sicher auswählen zu können, ist es wichtig, dass die Krankengeschichte möglichst sorgfältig und vollständig aufgenommen wird. Da wir Menschen nicht ausschließlich aus unseren körperlichen Funktionen bestehen sondern auch mit Gedanken und Gefühlen leben, die sich unwillkürlich an und in unserem Körper ausdrücken, geht die Befragung sehr häufig auch in emotionale, soziale und berufliche Bereiche hinein.
Einigen Patienten sind solche Themen manchmal unangenehm und es kostet sie mitunter Mut, darüber zu sprechen. Gehen Homöopath und Patient jedoch respektvoll, offen und ver-trauensvoll miteinander um, sind Gefühle und belastende Umstände leichter zu besprechen und ihre Hintergründe besser zu verstehen. Klar gesagt, gibt es keine Erkrankung die getrennt von unserem emotional-seelischem und mentalen Eindrücken ent-stehen könnte!
Des Öfteren beobachten wir, dass bereits eine sorgfältig vorgenommene Anamnese mit einer tiefen Erfahrung von Heilung verbunden sein kann, denn die umfangreichen Fragen an den Patienten betreffen alle seine Lebensbereiche (siehe Therapeu- tisches Gespräch). Am Ende der ersten Befragung empfindet sich der Patient tiefer mit sich selbst verbunden. Zum ersten Mal lernt er sich nicht nur als Person besser kennen, bei der alle Facetten – wie lose auch immer – miteinander verbunden werden konnten.
Sonnenuntergang an Meer
Die Anamnese kann dem Patienten dabei helfen sich bewusst zu werden, wie und wodurch er krank wurde. Er bekommt eine Ahnung davon welche Ursachen zugrunde liegen und was er selbst dazu beisteuern kann um Heilung zu erfahren. Er kann lernen und begreifen welche Rolle er dabei spielt, wenn der Stress beispielsweise in seinem Leben überhandgenommen hat. Durch das passende Arzneimittel wird sein Organismus in die Lage versetzt, wacher und umsichtiger mit seiner bisherigen Lebenssituation umzugehen.
Hierdurch kann ein Heilungsprozess eingeleitet, aber auch Gesund- heit auf Dauer gefördert werden. Meiner Erfahrung nach ist die Klassische Homöopathie ein erstaunliches Werkzeug die Vitalität eines erkrankten Menschen zu stimulieren und ihm Impulse zur »Bewusst-Werdung« zu vermitteln.
Die Klassische Homöopathie ist die einzige medizinische Disziplin, die in der Lage ist, die Anfälligkeit für chronische Erkrankungen, bedingt durch angeborene Schwächen aufzuhalten. Hauter-krankungen z.B. Ekzeme, Neurodermitis oder chronische Erkrankungen der Nasen-Nebenhöhlen, der Bronchien, die Übersäuerung eines empfindlichen Magen-Darm-Systems, Harnwegsinfekte oder Knochenschmerzen sind hier anzuführen.
Intoleranzen, Empfindlichkeiten und Änderungen im Bereich des Willens und Intellekts sind häufig die Ursachen von Bluthochdruck, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und rheumatoider Arthritis. Der erfahrene Anwender, der die Wissenschaft der Homöopathie zu nutzen weiß, wird selbst bei derartig schwierigen Behandlungen durch das Auffinden des Simillimum, -den Verlauf der Erkrankung zur Heilung führen können.
Die Klassische Homöopathie kann selbst die Anlage zu erblichen Krankheiten wie Mongolismus oder einer familiären Disposition zu Geisteskrankheiten günstig beeinflussen, wenn rechtzeitig mit der Therapie begonnen wird. Es ist zu empfehlen, so früh wie möglich die Homöopathie zu Rate zu ziehen, um Erbanlagen und Gen-defekte generell auch bei weniger schwerwiegenden Krankheiten und Familienbedingten Schwächen durch eine homöopath-ische Konstitutionsbehandlung günstig zu beeinflussen.
Es ist deshalb so wichtig, dass wir anfangen, schon unsere Kinder human und umsichtig zu behandeln. Wir haben mit der Klassischen Homöopathie eine Heilmethode in der Hand, die es uns ermöglicht, die Gesundheit wiederherzustellen und schwere Krankheiten zu verhindern und zu heilen.
Tintenfisch

Tintenfisch (Coleoidea oder Dibranchiata)

Bis heute nehmen die Begegnungen innerhalb meiner Praxistätigkeit mit den erstaunlichen Heilkräften der Homöopathie kein Ende. Während meines fortwährenden Studiums über Krankheiten und der „Materia Medica“ (Lehre über die homöopathischen Arzneimittel) bekam ich ein tiefes Verständnis für das menschliche Leiden.
Mir steht ein breites Wissensspektrum zur Verfügung, dass ich mit Hochachtung vor einer schier unermesslichen Vielfalt an Möglichkeiten stehe um meinen Patienten mit natürlicher Medizin zu unterstützen. Die Homöopathie greift das geradezu unerschöpfliche Phänomen „Mensch“, wie er krank wird und was er für die Genesung braucht, für mich am schlüssigsten auf. Ausführliche Informationen dazu, siehe Broschüre: Klassische Homöopathie.
Eine homöopathische Erstanamnese ist wohl die gründlichste Form der medizinischen Behandlung. Es gibt nur wenige medizinische Heran-gehensweisen, die so sorgfältig und eingehend den Menschen als Ganzes behandelt, von der bei einer Akupunk-turbehandlung nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin einmal abgesehen.
Schwerpunkte einer Anamneseführung
Familienanamnese
Bei der Familienanamnese fragt der Homöopath nach häufigen Erkrankungen lebender, aber auch nach den Krankheits- und Todesursachen bereits verstorbener Verwandter. Manche Krankheiten sind genetisch bedingt, oder es besteht zumindest aufgrund der Erbanlagen eine größere Anfälligkeit für diese Erkrankungen. Dazu gehören beispielsweise rheumatische Erkrankungen und bestimmte Krebsarten. Auch sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes, treten familiär gehäuft auf.
Sozialanamnese
Sie beleuchtet die soziale Situation und Rolle des Patienten innerhalb der Familie und im Beruf: Wie umfassend und stabil ist das soziale Umfeld, leidet der Patient unter familiären Konflikten? Erfährt er Unterstützung, wenn er krank ist? Lebt er möglicherweise allein und braucht Pflege? Allgemein können hohe körperliche oder psychische Belastungen Gesundheitsstörungen auslösen.
Medikamentenanamnese
Den Homöopathen interessiert die momentane Medikamenten Einnahme, die aktuelle Therapie und die bestehende Erkrankungen seines Patienten. Welche Medikamente „müssen“, in welcher Dosierung und aus welchen Gründen eingenommen werden. Außerdem ist es wichtig, von solchen Präparaten zu wissen, die der Patient zusätzlich einnimmt wie Verhütungsmittel und freiverkäufliche Arzneimittel. Diese vielen unterschiedlichen Medikamente können beispielsweise die Wirkung anderer beeinflussen und auch häufig Medikamentenallergien verursachen.
Genussmittelanamnese
Für den Homöopathen ist es wichtig, die Risikofaktoren des Patienten abzuschätzen. Alkohol, Zigaretten und Drogen können verschiedene Erkrankungen auslösen oder verschlimmern. Auch wenn es dem ein oder anderen schwerfällt, es ist oft sehr wichtig, wie viel und wie lange schon Genussmittel konsumiert werden. Ein hoher Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum kann beispielsweise zu Leber- oder Bauchspeicheldrüsen Erkrankungen führen. Da dieses Thema sehr sensibel ist, ist ein entspannter und vertrauensvoller Gesprächsrahmen von großer Bedeutung. Es ist kein Thema, dass den Patienten begleitende Personen gebeten werden, den Raum zu verlassen, wenn der Patient mehr Privatsphäre wünscht. Oft kann es aber auch dem Patienten helfen, wenn eine sie begleitende und vertraute Person anwesend ist, die ein offenes Gespräch, bewahrt und unterstützt. 

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Quellen:
Willibald Gawlik: Die homöopathische Anamnese (Hippokrates Verlag Stuttgart 1996)
Rajan Sankaran: The Spirit of Homoepathy (Homoepathic Medical Publishers Bombay 1992)
Neurath M, Lohse A: Checkliste Anamnese und klinische Untersuchung (Thieme Verlag Stuttgart)