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Quelle: arte - Die Ostfriesischen Inseln - Geboren aus Sand

Wasser

            Das Wasserelement im TAO                  Von der Würde und dem Eigensinn

Der Winter das Wasser Essenz und Ruhezeit
Das Wasser ist eines der Fünf Elemente, dessen Naturkräfte im Winter am stärksten zur Geltung kommen. Das Wasser wird im TAO das Alte Yin genannt, das Dunkle, Kalte und Tiefe. Dem Wasserelement wird daher auch der Winter das Klima der Kälte zugeordnet. Es ist die Zeit der Stagnation und des Untergangs. Die Zeit der kürzesten Tage und längsten Nächte, die Sonne wärmt nicht mehr und das Land liegt unter einer Schneedecke (leider immer seltener bei uns in Mitteleuropa). Die Natur schläft, sie ruht sich aus und erholt sich. Das Leben hat sich in die Unterwelt zurückgezogen, im Kleinen, Verborgenen bewahrt sie jedoch schon neue Energie Kräfte in sich. Diese Lebenskräfte schlummern in den Samen der Erde. Der Winter ist die Zeit zwischen Tod und Wiedergeburt.

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Kraft und Dynamik des Wassers
Die Dynamik der Wasserenergie manifestiert sich in der Nacht und im Norden. Das Wesen des Wassers ist das nach unten Sinken. Die Bewegung der Kraft ist zum Mittelpunkt der Erde vertikal abwärtsgerichtet. Während die Kraft des Feuers nach oben aufwärtsgerichtet ist, zieht uns das Wasser in die Tiefe. Es wirkt auf unseren physischen und seelischen Körper als Gravitationskraft. Die Energie des Wassers führt die Seele und das Leben zu ihrem Ursprung, zur inneren Besinnung zurück - zum wesentlichen Kern.

»Aus der Quelle entspringt ein Bach, der zum Fluss wird, der Fluss entwickelt sich zum Strom, der Strom nimmt alle Gewässer auf und führt sie zurück ins Meer«

Wesen
Das Wesen des Wassers können wir verstehen, wenn wir uns ein Samenkorn vorstellen. In seinem Inneren verbirgt sich auf engstem Raum die Information eines großen Baumes. Dieser winzige Samen besitzt die Kraft und das Potential eine komplizierte feinverästelte Struktur in ihrer Entwicklung und Entfaltung ins Leben zu führen.

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Botanischer Garten Berlin

Die Verwendung dieser Kraft liegt im Aufbewahren. In den chinesischen Überlieferungen wurde diese Essenz als »Anzestrale Energie« bezeichnet. Es ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der verschiedenen Energien, die wir von unseren Eltern, Großeltern und der langen Reihe unserer Vorfahren geerbt haben.

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Tachyonischer-Quell-des-Lebens

Das Wasser Element und die Organe
Im körperlichen Bereich entsprechen die Nieren den Yin Organ des Wassers und das Yang Organ ist die Harnblase. Die ent-sprechenden Anhangsorgane bzw. Gewebe sind das gesamte Lymphgefäßsystem die Knochen, das Mark, unsere Zähne und die Kopfhaare. Innerhalb unserer Körperflüssigkeiten spiegelt sich das Wasserelement im Urin wider.

Die Yin Organe und das Meer
Die Nieren liegen von den Rippen gut geschützt am unteren Rücken etwa in Höhe der Brustwirbelsäule (BW 11), beiderseits der Wirbelsäule. Sie haben die Größe und Form eines durchschnittlichen Ohres. Sie pulsieren und pumpen wie das Herz. Die Nieren sind verantwortlich für die freie Zirkulation des Wassers innerhalb des Organismus. Eine der wichtigsten Nierenfunktionen ist das Filtern und die Reinigung sämtlicher Flüssigkeiten (Lymphe) die in unserem Körper zirkulieren.

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Anatomie Nieren

Das Wasser fließt farblos und formlos durch unseren Körper. Es nimmt überall im Körper Abfallprodukte auf, verhindert Stagnation, ermöglicht Beweglichkeit, Frische und begünstigt den »freien Fluss« im Inneren unseres Körpers. Es gibt keine Körperfunktion, keinen lebendigen Prozess, der ohne Wasser auskommen würde. Um einige Beispiele zu nennen: Die Flüssigkeit im Gehirn, der Verdauungsprozess, in dessen Verlauf die aufgenommene Nahrung in einen Speisebrei verwandelt wird (daher kommt der medizinische Beiname der Nieren - »Passage zum Magen«); die Befeuchtung unserer Sinnesorgane, Augen, Nase, Mund, Zunge und Ohren, unsere Geschlechtsorgane, die Gebärmutter, Anus und Genital. Die inneren Sekretionen der Schleimdrüsen sowie unser gesamtes Gelenks- und Gewebesysteme brauchen Feuchtigkeit – Wasser.

Lymphe
Das Wasser unsere Lymphe entfernt außerdem nicht benötigte Nebenprodukte der unendlich vielen chemischen Prozesse unseres Körpers. Durch die Nieren werden Giftstoffe ausgeschieden, die vorher von der Leber zerlegt und über den Pfortaderkreislauf (spezieller venöser Kreislauf zwischen Bauch und Becken) den Nieren zugeführt werden. Die Nieren regulieren ferner den Salz- und Mineralgehalt des Blutes und der gesamten Körperflüssigkeiten, sie bestimmen das Säure-Basen-Gleichgewicht im Organismus. Der dem Wasser zugeordnete Geschmack ist salzig.
Das Salz reguliert die im Organismus enthaltene Menge an Wasser. Das Salzwasser der Urmeere war der Ursprungsort von Leben auf unserem Planeten. Der Salzgehalt innerhalb unserer Körper-flüssigkeiten ist diesem Meerwassermilieu äußerst ähnlich. Die physiologische Lösung der verschiedenen Salze im Blut, der Gewebs-, der Rückenmark und der Hirnflüssigkeit ist mit der Zusammensetzung des Meerwassers auch nach Millionen von Jahren fast identisch.

Und wieder einmal: Wie Außen so Innen

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Alentejo Westküste / Portugal

Die Zusammensetzung der Mineralien und Salze bestimmen nicht nur einen gesunden Knochenbau (Die Nieren regieren und kontrollieren die Knochen, das Mark, die Zähne und die Kopfhaare), durch eine genau definierte Ionenkonzentration (elektrisch geladene Moleküle) wird die Weiterleitung von Nervenimpulsen und die Übertragung dieser Impulse auf die einzelnen Muskelgruppen überhaupt erst möglich gemacht. Die Erhaltung der für diese Lebensprozesse erforderlichen Ionenkonzentration, ist eine weitere wichtige Funktion der Nieren. Ohne sie gäbe es keine reibungslos funktionierende Nerventätigkeit und keine muskuläre Bewegung, ohne sie würde es zum Versagen und zum Stillstand des Herzens kommen.

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Anatomie Knochen Nerven

Aus diesen Zusammenhängen können wir verstehen, dass die chinesische Medizin, das Rückenmark und das Gehirn dem Element Wasser zuordnen. In alten Taoistischen Texten wird das Gehirn als das »Meer des Marks« bezeichnet. Wir können auch verstehen warum die Chinesen die Nieren und das Herz gleich wichtig nahmen.

Die Nieren sorgen für die Aufrechterhaltung des inneren Milieus, für die so genannte Grundlage des Lebens. Der Einzeller, eine Amöbe beispielsweise, verfügt nicht über einen Blutkreislauf, es besitzt kein Herz, es besteht aus Salzwasser, einer unkomplizierten Membran, einem elementaren genetischen Code und einfachen Zellorganellen. Das Feuer dagegen lässt eine höhere Ordnung der Dinge entstehen. Die elektrischen Phänomene der Reizübertragung und deren Koordination sind daher dem Element Feuer dem Herz und den Nieren zugeordnet.

Die Harnblase und die Yang Energie
Die Harnblase, das Yang Organ des Wasserelements, ist ein Hohlorgan und liegt im kleinen Becken. Sie sammelt das überschüssige Wasser im Körper, dass die Nieren ihr zugeführt haben und scheidet es in Form von Urin aus. Der Blasenmeridian, die längste Energiebahn von allen Organ Meridianen, verläuft parallel zur Wirbelsäule. Dadurch beeinflusst diese Energiebahn als Funktionskreis das gesamte sympathische Nervensystem und steht mit fast jeder unserer Körperfunktionen in Verbindung. Der Blasen-Meridian kontrolliert das Nieren-Ch’i (Nierenenergie) und wird in der Akupunktur häufig zur ganzheitlichen Behandlung angewandt.

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Blasenmeridian

Allgemeines
Innerhalb unseres Organismus ist die Kraft des Wassers in den verschiedensten Formen präsent. Zunächst ist das Wasser ein fließender Baustein des Körpers, der rund 65 % des Körpergewichts ausmacht und als Lösungs-, Schmier- und Transportmittel fungiert.
In der chinesischen Tradition werden die Nieren als der oberste Kontrolleur der Wasserversorgung bezeichnet. Ein solcher Kontrolleur der Wasserversorgung hatte in bäuerlichen Gemeinschaften Chinas ein sehr bedeutendes Amt. Er regelte die Zuleitung von Wasser für die Reisfelder der verschiedenen Gemeinden.

Wasser Element und Emotionen
Das Sinnesorgan im Wasserzyklus sind die Ohren, sie öffnen sich nach außen und lassen Impulse in unser tiefstes Inneres vordringen Das Hören und der Gleichgewichtssinn geben uns Orientierung im Leben. Emotionen und Gefühle entziehen sich der Logik des Verstandes. Sie sind vielleicht einschätzbar aber nicht messbar, eigentümlich gegenüber Argumenten und in Bezug auf vernünftige Erklärungen. Eins der Grundgefühle des Wasser Elementes ist die Angst. Es handelt sich hier um eine existentielle Angst, es geht im Ursprung ums Überleben. Ist das Nieren Chi eines Menschen schwach kann sich durch eine anfängliche Unsicherheit und Furcht, diese Angst vertiefen und sich bis zur Panik oder einer Paranoia entwickeln.

Sind wir emotional und seelisch gefestigt und verfügen über ein starkes Nieren Chi, erkennen wir die Angst und was sie im Grunde ist, wir können sie leicht von Furcht unterscheiden, weil sie sich zur Ehrfurcht wandelt. Die Entwicklung hin zu mehr Ruhe und inneren Frieden lässt unsere Persönlichkeit wachsen. Diese Menschen strahlen eine gelassene Heiterkeit und spürbare Gewissheit aus, sie können je nach Veranlagung direkte emotionale Ausdruckskräfte sein. Die Farben zum Wasserzyklus sind Blau und Schwarz.

Wasser Element und Mental Energie
Die endokrinen Drüsen mit ihren Hormonen werden in der chinesischen Tradition dem Element Feuer und Wasser zugeordnet. Das Gleichgewicht im Wasserelement hängt vom Verhältnis zwischen Yang- und Yin Niere ab. In den alten Texten findet man die Unterscheidung zwischen der »Yang und der Yin-Niere«, der »Feuer und der Wasser-Niere«.

Die Feuer Niere stellt das System der endokrinen Drüsen dar: die Gonaden (Geschlechtsdrüsen, Eierstöcke und Hoden), die Nebennieren, die Langerhansschen Inseln des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die Thymusdrüse, die Schilddrüse und Nebenschilddrüse und schließlich die Hypophyse.

Die Wasser Niere dagegen filtert das Blut und produziert den Harn; sie entspricht der Niere in unserem klassischen Sinne. (siehe ausführlichen Text Information II. Erlebnistag 06.V.2006 Von der Sehnsucht zur Freude, auf Seite III + IV).

Das Konzept der Feuer- und Wasser Niere gibt auch einen Hinweis auf die Natur des Tchen, den Elementargeist des Wassers, über den ich später unter der Überschrift (Elementares und Traditionelles zum Thema Wasserzyklus) ausführlicher berichten werde.
Die Kraft des Wassers, wie die jedes anderen Elements wirkt in unterschiedlichen Gewebe sowie in jeder Zelle unseres Körpers. Die Ansicht, dass die Niere den Sitz der genetischen Konstitution darstellt steht nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass jede Zelle des Organismus DNS und RNS enthält. Die Nieren als Organe werden eher als der Ort der größten Verdichtung und stofflichen Materialisation des Elements Wasser angesehen. Die verschiedenen Qualitäten und Mischungsverhältnisse der einzelnen »Element Energien« selbst, bewirken die Vielfalt und den Reichtum der Entwicklungsgänge und letztendlich der Wesenhaftigkeit, die in menschlichen, tierischen, pflanzlichen und mineralischen Organismen zu finden sind. Den Begriff der anzestralen Energie können wir mit dem genetischen Code vergleichen, dessen 64 Kombinationsmöglichkeiten wie sinnbildlich in den 64 Hexa-grammen des I Ging wieder zu finden sind.

In der chinesischen Medizin wird die Niere als Aufbewahrungsort der anzestralen Energie angesehen. Sie gilt als Speicher für die verschiedenen stofflichen und feinstofflichen Energien, die durch die Aufnahme und Verarbeitung von Nahrungsmitteln in unseren Organismus gelangen, aber nicht direkt durch Stoffwechsel-prozesse selbst verbraucht wurden. In alten medizinischen Texten heißt es: Die Nieren empfangen die Essenz der Tsang (Hohlorgane, wie Magen, Gallenblase, Dünndarm, Dickdarm und Blase) und der Fu (Vollorgane, wie Herz, Lunge, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse und Niere) und bewahren sie auf. Die Namen einiger Akupunkturpunkte auf dem Nieren- und Blasenmeridian ver-deutlichen die Wirkung, die diese Punkte auf den Energie-speicher haben:
Niere 1 »Yongqua« »Die emporsprudelnde Quelle«, Niere 3 »Taixi« »Mächtiger Wasserlauf«, Niere 6 »Zhaohai« »Das Meer der Erhellung«, Niere 8 »Jiaoxin« »Gegenseitiges Vertrauen (Übergibt die Botschaft)«, Niere 13 »Quixu« »Schoß der Lebenskraft«; Blase 24 »Qihaishu« »Einflusspunkt des Nierenfunktionskreises (Leitet das Ch’i, die Lebensenergie
zum Meer)«, Blase 26 »Guanyuanshu« »Einflusspunkt des ersten Passtores (Leitet das Ch’i zum Verschluss der Ursprungsenergie)«. Ein weiterer Akupunkturpunkt, der mit der Niere und der Blase eng verbunden ist, liegt auf dem Du Mai, dem Lenkergefäß Nr. 8 oder auch Gouverneur genannt. Es ist die Nr. 4 »Mingmen« »Tor des Lebens«.

Von der Würde und dem Eigensinn
Eigensinn macht Spaß bemerkte Hermann Hesse in seinem Werk »Steppenwolf«. Wir haben von Geburt an einen ganz eigener Wert, den wir instinktiv spüren und das bedeutet, dass jeder von uns aber auch andere Geschöpfe wertvoll sind. Wie kann ein Mensch sich würdigen, wenn er keinen Sinn für das hat, was ihm eigen ist? Viele Menschen sind häufig mit Unsicherheiten, Ängsten und Schuldgefühlen belastet, eine typische Reaktion auf ein schwaches Nieren Chi. Dann geht es darum, wie wir wieder Vertrauen in uns finden und wie wir unserer Ängste bewusstwerden. Wenn wir wieder lernen, wie ein Kind mit natürlicher Scham unseren eigenen Gefühlen vor anderen zu begegnen, werden wir wieder Liebe mit jemandem teilen können aber auch Trauer, Wut oder Verlassenheitsängste.

In unseren Nieren ist die Energie unserer Vorfahren gespeichert. Diese Essenz verleiht jeder Eizelle und jedem Spermium das Potenzial, neues Leben zu erschaffen. Es ist die Grundlage der eigenen sowie der kollektiven Existenz, der wir unsere Wurzeln zu verdanken haben und die uns die Basis gibt für neues Wachstum. Solange wir die Vergangenheit im Gedächtnis behalten und wir unseren Wurzeln bewusst sind, können wir hieraus auch die Kraft für unser Leben schöpfen. Aus dieser vitalen, vererbten Energie entspringt unsere Willenskraft, Vitalität und unser Urvertrauen. Die Nieren stellen eine reiche strukturierte und konzentrierte Energiequelle dar, die enorme Reserven bietet. Es sind die Nieren, in denen unser geistiges Erbe liegt. In unserem Nieren Chi liegen die tiefsten Reserven verborgen, auf die wir in Zeiten größter Not zurückgreifen können.

In unserem hektischen Alltagsleben übersehen wir oft das der Winter uns zur Ruhe, einer Art Bindung mit dem gleichzeitigen Ziel der Wandlung bewegt. Die Energie des Wassers ist eine Kraft, die die sprunghafte, explosive Energie des Holzes am Boden hält und die uns vor übermäßiger Aktivität bewahrt. Es sind mehr unbewusste Kräfte die am Werk sind und nicht die Aktivität, das Tun an sich, sondern die Gewinnung grundlegender neuer Ressourcen. Die Nieren Energie und mit ihr die Wandlungsphase Wasser, speichert das Grundsätzliche, das Zentrale, eine stabile, Generationen überdauernde Dynamik unseres individuellen Daseins. Wir spüren diese wenn wir weit nach innen dringen. Sie kann uns einen inneren Bezug, ein ganz persönliches Verständnis durch diese Empfindungen vermitteln. Es kann eine Tiefe entstehen, aus der wir eine Ahnung, einer umfassenden persönlichen Wahrheit erwachsen, die uns Kraft gibt für den Fortgang unseres Lebens. Die Chinesen sagen, in den Nieren ruht die Weisheit, welche das Ergebnis des Lebens und jahrzehntelanger Erfahrungen und Willenskraft ist.


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Quellen:

Achim Eckert (1994): Das heilende Tao / Gesund im Gleichgewicht der fünf Elemente

Achim Eckert (1994): Das Tao der Medizin / Grundlagen zur Akupunktur und Akupressur

Zitate aus Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin; Achse der Wirkkraft und grundlegende Fragen erwähnt und aufgeschrieben 300-100 vor Christus durch verschiedene Autoren sowie Li Ji, Buch der Riten Ausführliche Literatur Noll/Lorenzen Die Wandlungsphasen der Traditionellen Chinesischen Medizin Band 1-5